Rohstoffe als Kriegsursache werden ausgeblendet

 

Vereinte Nationen: Rohstoffe als Kriegsursache nicht weiter ausblenden

 

In den vergangenen sechzig Jahren war in vier von zehn zwischenstaatlichen kriegerischen Konflikten der Zugang zu natürlichen Ressourcen ein Streitgrund. In Friedensabkommen spielt der Kampf um Rohstoffe als Kriegsgrund bisher aber kaum eine Rolle. Viele beigelegte Konflikte flammen nach Einschätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) daher wieder auf. UNEP-Experten fordern deshalb  ein grundlegendes Umdenken beim Entschärfen von Konflikten.

Die Fachleute haben 14 bewaffnete, zwischenstaatliche Konflikte seit 1999 analysiert. Ursache war häufig Streit um wertvolle Rohstoffe wie Diamanten, Öl oder Gold, beispielsweise in den Bürgerkriegen in Liberia, Angola oder der Demokratischen Republik Kongo. In anderen Fällen waren knappe Ressourcen wie fruchtbares Land oder Wasser der Streitgegenstand, etwa in Darfur oder im Mittleren Osten.

In der Vergangenheit schenkten die meisten Konfliktparteien diesen Ursachen bei der Beilegung ihrer Auseinandersetzungen kaum Beachtung. UNEP konnte in weniger als einem Viertel der untersuchten Friedensabkommen entsprechende Passagen finden. Dem Bericht zufolge eskalierten viele Auseinandersetzungen wegen dieses Versäumnisses von Neuem. Die Autoren fordern daher, den Kampf um Ressourcen und Rohstoffe in Friedensabkommen und bei der Konfliktprävention sehr viel stärker zu berücksichtigen. 

Dieses Umdenken sei um so nötiger, als durch den Klimawandel und die wachsende Weltbevölkerung Konflikte um Rohstoffe und kappe Ressourcen zunehmen dürften. „Die Integration natürlicher Ressourcen in friedensbildende Maßnahmen ist keine Option mehr – sie ist ein Imperativ einer sicheren Weltordnung“, heißt es im Bericht. Die Autoren empfehlen unter anderem die Einrichtung eines Frühwarnsystems, mit dem in besonders verwundbaren Regionen Rohstoffkonflikte schneller als solche erkannt werden können.

Außerdem brauche die Staatengemeinschaft einen besseren Überblick über den Handel mit hochwertigen Rohstoffen. Die aus dem Verkauf fließenden Gewinne ermöglichten oft erst die Fortführung vieler Konflikte, so die Autoren. Internationale Sanktionen müssten daher umfassender zum Einsatz kommen. Notwendig sei auch eine stärkere Nachsorge: In vielen wieder befriedeten Regionen fehle beispielsweise Wissen darüber, wie sich Gewinne aus dem Rohstoffabbau gerecht verteilen lassen. Laut UNEP ist das ein Zündstoff für das Wiederaufflammen bewaffneter Auseinandersetzungen.  

 

 

Quelle:

Rat für Nachhaltige Entwicklung

http://www.nachhaltigkeitsrat.de/index.php?id=4383