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Soziales und Wissenswertes

Wednesday, 4. april 2012 3 04 /04 /Apr. /2012 09:26

Schule - Lernen - Spanisch

 

Eben habe ich eine geniale Seite gefunden. Hier findet sich ein großer Teil des Stoffes den man in der Schule oder fürs Leben lernen kann. Falls also jemandem noch etwas fehlt....

 

http://www.profesorenlinea.cl/index.html

 

Beste Grüße - Saludos

von Chili - veröffentlicht in: Soziales und Wissenswertes - Community: Bildung & Schule
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Thursday, 1. october 2009 4 01 /10 /Okt. /2009 01:11
Die sog. Kontakt  Hypothese geht davon aus, dass Kontakte zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen zu mehr gegenseitiger Akzeptanz führen, weil Kontakte Informationsmängel beseitigen und auf diese Weise Stereotype und Vorurteile korrigieren. Ganz so einfach, wie angenommen, ist es allerdings nicht: Kontakt allein reicht nicht aus und es kommt auch nicht auf die Zahl der Kontakte an.

Viele Beispiele belegen, dass sich in Situationen, die durch Konkurrenz, wechselseitige Abgrenzung
oder bereits bestehende Spannungen gekennzeichnet waren, Vorurteile noch verstärkten. Wichtig ist vielmehr die Qualität sozialer Kontakte. So formulierte bereits Gordon W. Allport:

"Vorurteile (… ) können verringert werden, wenn sich bei gleichem Status zwischen
Mitgliedern von Mehrheit und Minderheit Kontakte bei der Verfolgung eines gemeinsamen  Zieles entwickeln. Die positive Wirkung ist sehr viel größer, wenn der Kontakt durch öffentliche Einrichtungen unterstützt wird (… ). Weiterhin müssen diese Kontakte von einer Art sein, die bei den Mitgliedern der beiden Gruppen die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen und gemeinsamer Menschlichkeit herbeiführt." (Allport 1971, S. 285f)

In Anlehnung an Allport werden in der Fachliteratur folgende Bedingungen für erfolgreiche soziale
Kontakte genannt:

 

1. Gleicher oder ähnlicher Status

Um Kontakte zwischen Mehrheiten und Minderheiten "auf gleicher Augenhöhe" und ein Miteinander zu ermöglichen, sollten große Statusunterschiede z. B. hinsichtlich der formalen Bildung oder der sozialen Lage vermieden werden.

2. Engere bzw. intensivere Kontakte

Da es bei oberflächlichen oder nur gelegentlichen Kontakten allenfalls zu kurzfristigen positiven Effekten im konkreten Kontext, aber nicht zu einer Generalisierung der Erfahrung kommt, sollten Kontakte möglichst dauerhafter angelegt sein und im Idealfall persönliche Freundschaften ermöglichen.

3. Gemeinsame Interessen und kooperative Ziele

Kontakte sollten nicht unter Konkurrenz- bzw. Wettbewerbsbedingungen stattfinden. Sie sollten vielmehr eine kooperative Zusammenarbeit bei der Verfolgung gemeinsamer Ziele ermöglichen.

4. Freiwilligkeit

Die Teilnahme an Kontakten sollte freiwillig sein, um eine grundsätzliche Bereitschaft zum Miteinander herzustellen und Abwehrreaktionen zu vermeiden.

5. Ein positives öffentliches Klima

Ein positives Bekenntnis zur Multikulturalität bzw. zur Vielfalt der von Lebensweisen und Lebensstilen in Politik, Medien und Wirtschaft gilt angesichts der Bedeutung des sozialen Kontextes und sozialer Normen als förderlich.

von Chili - veröffentlicht in: Soziales und Wissenswertes - Community: Bildung & Schule
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Monday, 28. september 2009 1 28 /09 /Sept. /2009 01:07
 

Gemeinwesenarbeit (GWA) hat zwei historische Wurzeln:

 

Die eine führt zu den Regierungen der nachkolonialen Zeit sowie der UNO und verfolgt als community development (CD) das Ziel der Aktivierung der lokalen Bevölkerung und der Demokratisierung der innerstaatlichen Strukturen im Zusammenhang mit den nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Entkolonisierungsprozessen.

 

Die andere führt nach England und den USA zur Settlementbewegung ab etwa 1870. Welche, je nach Gründungsgeneration, verschiedene Ziele verfolgte:

 

Überwindung der Klassengegensätze mittels konkreter Überlebenshilfe, Bildung, Errichtung oder Erkämpfung einer stadtteilbezogenen medizinischen, sozialen wie kulturellen Infrastruktur (Toynbee Hall in London, Hull House in Chicago, Henry Street in New York als die bekanntesten).

 

Hull House engagierte sich auch bei der Gründung von Gewerkschaften, der Progressive Party, der Einführung progressiver Kindergarten- und Schulmodelle, der Frauen- und Friedensbewegung.

 

Sozialenqueten zur sozioökonomischen Lage der deprivierten (Slum-) Bevölkerung sowie das forschungsbezogene Studium sozialer Probleme dienten als Basis für die Erkämpfung sozialer Reformen (Arbeits- und Schulgesetzgebung, Migrationspolitik, Frauenhandel usw.). Während des Ersten Weltkrieges engagierten sich die Frauen von Hull House, insbesondere Jane Addams (spätere Friedensnobelpreisträgerin von 1931 sowie erste Präsidentin der Women's International League of Peace and Freedom), auf diplomatischem Wege für die Beendigung des Krieges durch Verhandlungen anstelle der Sieg-Niederlage-Logik.


In der Schweiz bzw. im deutschen Sprachraum wird GWA seit etwa 1960 an den Hochschulen für Soziale Arbeit gelehrt und in Freizeit-, Gemeinschafts- und Kulturzentren, in Siedlungen, Quartieren/Stadtteilen und Regionen praktiziert. Sie umfasst allerdings ein kleineres Spektrum von Handlungsfeldern als ihre historischen Vorläufer.

 

Weltweit betrachtet ist sie seit etwa 1990 integraler Bestandteil eines sich globalisierenden Sozialwesens/Dritten Sektors, in welchem soziale Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen, lokale Produktionsgenossenschaften und globale Netzwerke zunehmend an Bedeutung gewinnen.

 

Ausgangspunkt für GWA sind verschiedene Formen von sozioökonomischer Not, Umweltzerstörung, hohe Erwerbslosigkeit- und Bildungsdeprivationsraten, fehlende oder zerstörte Infrastruktur, ferner interkulturelle Konflikte, Rassismus und Ausgrenzung, Gewalt. Ansprechpartner der sozialen Veränderung sind die Mitglieder eines sozialräumlichen, organisationellen oder zielgruppenspezifischen Gemeinwesens – gewissermaßen als Sozialbürger.

 

Die zur Verfügung stehenden Problemerfassungsmethoden sind u.a. Sozialenqueten, narrative Interviews, Bedürfnis-, Sozialraum- und Organisationsanalysen, partizipative Handlungsforschung. Dazu kommen Methoden der Projekt- und kommunalen Sozialplanung sowie der Ermächtigung und Entwicklung einer demokratischen Beteiligungskultur, die sich an Menschenrechten orientiert. Dabei haben sich sowohl auf Konsens und Kooperation als auch auf Protest, Widerstand und Konflikt orientierte Theorietraditionen und Verfahren entwickelt.

 

Als erste Theoretiker und Handlungstheoretikerinnen der GWA sind u.a. Henri de Saint Simon, Karl Marx, Jane Addams, John Dewey, Pjotr Kropotkin und Pierre-Joseph Proudhon, Kurt Lewin, Murray Ross, Paolo Freire, Saul D. Alinsky zu nennen.

Ob GWA heute als Nachbarschaftshilfe in der Tradition der Settlementbewegung, community organizing in der konflikttheoretischen Tradition von Alinsky, als Solidarökonomie, kommunale Sozialplanung, Quartiermanagement im Rahmen des Projektes Soziale Stadt, als Sozial- und Kulturpolitik definiert wird - ihr übergeordnetes Ziel ist das folgende:

 

Menschen, die den Glauben an eine Verbesserung ihrer individuellen wie mit anderen geteilten Lebenssituation verloren haben, sollen befähigt werden, miteinander zu lernen und mittels gegenseitiger Hilfe, Ressourcenerschließung, Öffentlichkeitsarbeit, Einflussnahme auf Machtträger und sozialer Verteilungsregeln usw. die sie betreffenden sozialen und kulturellen Probleme zu mildern oder zu lösen.

 

Literatur:

  Hubert Campfens, Community Development around the World: Practice, Theory, Research, Training, University of Toronto Press, Toronto 1997

  Wolfgang Hinte, Maria Lüttringhaus, Dieter Oelschlägel, Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit, Votum, Münster 2001

  Heinz Ries, Susanne Elsen, Bernd Steinmetz, Hans-Günter Homfeldt (Hrsg.), Hoffnung Gemeinwesen. Innovative Gemeinwesenarbeit und Problemlösungen in den Bereichen lokaler Ökonomie, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Benachteiligung, Luchterhand, Neuwied 1997.

 

von Silvia Staub-Bernasconi

 

 

Quelle:

Sozialinfo – Wörterbuch der Sozialpolitik

http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=243

 

Andere Links zum Thema:

forum-community-organizing:

http://www.fo-co.info/ 

Gemeinde und Gemeinwesen:

http://adigwe.de/index.php/future/gemeinde-und-gemeinwesen/

von Chili - veröffentlicht in: Soziales und Wissenswertes - Community: Bildung & Schule
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Saturday, 15. august 2009 6 15 /08 /Aug. /2009 13:07

Jeder achte Deutsche ist arm


Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander


Die Diagnose gleicht einem Armutszeugnis: In Deutschland werden die Reichen immer reicher, die Bedürftigen immer ärmer. 13 Prozent der Bürger gelten als arm, weitere 13 Prozent werden nur durch Kindergeld oder Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen bewahrt. 

Ohne diese Sozialtransfers wäre jeder Vierte arm. Mehr als zehn Millionen leben dennoch am Rande der Wohlstandsgesellschaft, genauer: am sogenannten sozio-kulturellen Existenzminimum. Einen Zirkusbesuch mit den Kindern oder gar einen Urlaub können sich die Betroffenen kaum leisten.


Scholz betroffen


Dass sich die Schere zwischen Arm und Reich auch hierzulande immer weiter öffnet, geht aus dem Entwurf für den neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor. Der ist zwar noch nicht veröffentlicht, Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) gab aber am Wochenende in einem Interview mit "Bild am Sonntag" vorab schon mal Einblicke die wichtigsten Kennzahlen. "Es tut weh, wenn man auf jeden Cent achten muss", zeigte er sich von den Ergebnissen betroffen.

Die Rohfassung des brisanten Werks will der Minister an diesem Montag in Berlin der Öffentlichkeit vorlegen. Danach soll der Entwurf mit den anderen Ressorts abgestimmt werden. Erst dann geht der Bericht ins Kabinett. Den letzten Armuts- und Reichtumsbericht legte die Bundesregierung vor gut drei Jahren vor. Dass sich seither die Entwicklung entschärft hat, ist nicht ersichtlich.


Armut trotz Arbeit


Auch wenn die Details noch unbekannt sind: Das Zahlenwerk wird kein Ruhmesblatt für die Bundesregierung. Es dürfte aber reichlich koalitionspolitischen Sprengstoff bergen - etwa, was die Konsequenzen angeht. So empfindet es Scholz als "besonders bedrückend", dass die Zahl jener, die trotz Arbeit im Armutsrisikobereich landen, größer wurde: "Das zeigt: Wir haben zu niedrige Löhne in Deutschland und wir brauchen Mindestlöhne", lautet das Fazit des Ministers.

Arm ist nach offizieller Definition, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Das sind, so Scholz, "781 Euro netto". Als reich gilt, wer als Single netto mehr als 3418 Euro monatlich zur Verfügung hat. Die Entwicklung skizziert der Sozialdemokrat mit den Worten: "Die Einkünfte der Reichen sind gewachsen, dagegen sinken die Einkommen im unteren Bereich leicht, im mittleren Bereich stagnieren sie."


Hartz-Reform begünstigt Armut


Für Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende ist das Risiko nach wie vor groß, in Armut zu fallen. Für diese beiden Gruppen sei die Lage am schlimmsten, sagt Scholz. "Haben die Eltern Arbeit, sinkt das Armutsrisiko auf nur noch vier Prozent der Haushalte mit Kindern." Deshalb sei der Regierung auch besonders der Ausbau der Kleinkinderbetreuung wichtig, damit Alleinerziehende leichter eine Arbeit annehmen könnten.

Auch die Hartz-Reformen haben nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Ausbreitung von Armut in Deutschland beigetragen. So brachte die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II gut jedem zweiten Betroffenen - vor allem Kinderlosen - Verschlechterungen. Für etwa ein Drittel verbesserte sich aber die Lage. Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes lag die Armutsgefährdung 2004 im Osten mit 17 Prozent deutlich höher als in Westdeutschland mit zwölf Prozent.


Viel weniger Wohnungslose


Anders als in anderen Ländern ist Armut in Deutschland jedoch so gut wie nicht mehr mit unmittelbarer physischer Not verbunden: Niemand verhungert oder muss unter Brücken schlafen. Als Beleg verweist Scholz darauf, dass sich die Wohnungslosigkeit seit 1998 halbiert hat: Von 530.000 auf 254.000 Betroffene. Auch bei den älteren Menschen seien heute weniger von Armut betroffen als früher. "Nur 2,3 Prozent von ihnen sind auf die Grundsicherung angewiesen, weil Rente und andere Einkünfte nicht reichen." Sozialverbände befürchten aber, dass sich diese Quote langfristig vervielfachen könnte.


 

Quelle:

Text:

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,7241945,00.html

Film:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/499098?inPopup=true

von Chili - veröffentlicht in: Soziales und Wissenswertes - Community: Bildung & Schule
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Thursday, 5. march 2009 4 05 /03 /März /2009 17:48


Trauma und Traumatisierung

 

Einige Überlegungen zu der Tauglichkeit dieses Begriffs für die psychosoziale Arbeit mit kriegsgeschädigten Menschen und Flüchtlingen

 

In der humanitären Hilfe und psychosozialen Arbeit mit kriegsgeschädigten Menschen und Flüchtlingen hat der Begriff des »Traumas« einen nicht mehr weg zu denkenden Stellenwert gewonnen. Dies ist ein Fortschritt. Es bedeutet, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich Hilfsangebote und Lösungen in Kriegs- und Krisenregionen nicht nur auf einer politischen und ökonomischen Ebene anzusiedeln haben. Die Unterstützungsangebote müssen sich an die dort lebenden Menschen richten und dabei auch deren Eingebundenheit in ihre geschichtlichen und sozialen Prozesse berücksichtigen. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr, dass Traumatisierung« losgelöst von dem jeweiligen politischen Kontext betrachtet wird und psychosoziale Probleme individualisiert und psychologisiert werden.

 

In den vergangenen 10 Jahren hat der Begriff der »Traumatisierung« nicht nur vermehrt Anerkennung in der Fachwelt erfahren. Er hat Eingang in die Medien gefunden und wird inzwischen, wenn auch eher inflationär, in der Alltagssprache benutzt. Berichte über Unfälle, Naturkatastrophen, Kriegshandlungen, Folter, aber auch über schwere Erkrankungen kommen nicht mehr ohne ihn aus.

 

Es ist durchaus ein Fortschritt, dass die subjektiven Erfahrungen und psychischen Folgen solcher schwerwiegender Ereignisse mehr Berücksichtigung finden. So wurden von den Opfern des Hurrican Mitch in Nicaragua die Fragen von Journalisten und internationalen Helfern, die sich nicht nur nach den zerstörten Häusern erkundigten, sondern sie auch nach ihren Gefühlen, mit Erstaunen und Freude aufgenommen. Diese erhöhte Sensibilität kann sich aber leicht ins Gegenteil verkehren, wenn mit quasi normierten, technisch anmutenden Vorstellungen von »Traumatisierung« an jede Klientel herangetreten wird, die mit einem erlebten Trauma in Zusammenhang gebracht wird.

 

Was die Situation der Menschen in Kriegs- und Krisenregionen sowie in Ländern, in denen Diktaturen herrschen, anbetrifft, ist es natürlich positiv, dass der Tatbestand komplexer Traumatisierungsprozesse als Folge massiver Menschenrechtsverletzungen inzwischen anerkannt ist. Aber es macht trotzdem Sinn, das Konzept, das dem Verständnis von Traumatisierung zugrunde liegt, auf seine Tauglichkeit zu überprüfen.

 

Schaut man auf den Ursprung des Begriffs, so kommt das Wort »Trauma« aus dem Griechischen und bedeutet »Wunde«. In der Psychologie hat es eine analoge metaphorische Verwendung gefunden, nämlich einen Zusammenbruch einer psychischen Struktur in Reaktion auf ein sie überforderndes Ereignis. Im Kontext der psychosozialen Arbeit mit kriegsgeschädigten Menschen liegen die traumaauslösenden Ereignisse in den politischen und sozialen Verhältnissen. Ein Trauma, das in Folge der politischen und sozialen Geschehnisse zustande kommt, hat einen sehr anderen Charakter als eines, das aufgrund eines Unfalls oder einer Naturkatastrophe erlitten wird.

 

Bei einem psychosozialen Trauma handelt es sich um ein »man made desaster«. Es bezieht sich immer auf Individuen wie auch gleichzeitig auf die gesamte Gesellschaft. Es hat Prozesscharakter, bleibt somit nie auf ein Einzelereignis beschränkt und ist immer nur in Bezug auf einen spezifischen soziokulturellen Kontext zu verstehen.

 

Für die diagnostische Einschätzung einer Traumatisierung wird i.d.R. auf das Konzept des Post Traumatic Stress Disorder (PTSD) rekrutiert, einem Konzept, das Traumatisierungsprozesse einer Kategorie innerhalb psychischer Erkrankungen zuordnet und sie damit individualisert. Dem posttraumatischen Stress nach DSM IV, bzw. der posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD 10 wird ein einmaliges Ereignis zugrunde gelegt, das die entsprechenden Folgen nach sich zieht. Hier liegt die Schwäche des Trauma-Konzepts. Das Trauma wird nicht über den auslösenden Kontext definiert, sondern über die möglichen Symptome, die aus den seelischen Erschütterungen resultieren können. Die gesellschaftliche Dimension wird dabei außer Acht gelassen. Es findet zwar die Tatsache Anerkennung, dass soziale Realitäten, wie Kriege und Repression schwere psychische Folgen nach sich ziehen können, doch werden diese sozialen Verhältnisse gewissermaßen entpolitisiert im Sinne eines Stressfaktors unter vielen. Damit lässt sich das Wechselverhältnis zwischen gesellschaftlichen Ursachen und individuellen Reaktionen nicht adäquat nachvollziehen. Der politisch-gesellschaftliche Kontext der psychischen Verletzung und der so genannte »man-made« Anteil der zerstörerischen Lebensbedingungen geraten so aus dem Blick und es bleibt in diesem Konzept völlig unberücksichtigt, dass eine traumatische Erfahrung auch im Rahmen eines längeren Prozesses gemacht werden kann.

 

Die Unterstellung eines monokausalen Zusammenhangs zwischen einem traumatischen Ereignis und postraumatischen Symptomen verdeckt somit eher die tatsächliche Komplexität der psychischen Folgen. Kritiker des Trauma-Konzepts, u. a. David Becker und die MitarbeiterInnen des Instituto Latinoamericano der Salud Mendal y Derchos Humanos (ILAS) aus Chile (1997) oder Derek Summerfield (1996) weisen schon seit langem darauf hin, dass eine getrennte Betrachtung der posttraumatischen Symptome von den politischen Ursachen der traumatischen Ereignisse die Leiden der Opfer individualisiert und die Opfer selbst pathologisiert. Dies führt genau zu der Vereinzelung, auf die die repressiven Regime abzielen. Indem mit dem Konzept der PTSD versucht wird, bestimmte Ereignisse mit ihren Folgewirkungen festzuschreiben, kann es nicht gelingen die genannten prozesshaften Verläufe wahrzunehmen (vgl. auch Becker, D. 1997, 2001)

 

Hans Keilson (1979), der lange mit jüdischen Kriegswaisen gearbeitet hat, spricht von traumatischen Sequenzen unterschiedlichen Charakters und unterschiedlicher Bedeutung. Er weist darauf hin, dass bei der Ausbildung der Symptome auch die Zeitspanne nach dem traumatischen Ereignis eine wichtige Rolle spielt. So wirkt z. B. der Flüchtlingsstatus gemäß dem bundesdeutschen Asylrecht und eine permanent drohende Abschiebung oft als eine erneute traumatische Sequenz und kann bei den Flüchtlingen Verzweiflung bis hin zum Suizid auslösen.

 

Um einer traumatisierten Person wirklich gerecht zu werden und ihre psychischen Beschädigungen zu verstehen, ist es notwendig das traumatische Ereignis möglichst genau in seinem spezifischen Kontext, in den es sich ereignet hat, zu definieren. Die traumatischen Erfahrungen der Menschen in Bosnien sind nicht die gleichen wie die der Menschen in der Türkei oder mit den Erfahrungen chilenischer Opfer gleichzusetzen. So schreibt die Psychiaterin Paz Rojas Baeza (2001) über ihre Arbeit in der chilenischen Menschenrechtskommission CODEPU (Comité de Defensa de los Derechos del Pueblo), dass selbst unter den vergleichbaren politischen und sozialen Bedingungen die Folterungen bei den Menschen so viele unterschiedliche individuelle Symptome hervorgerufen haben, dass sie wohl dominante Merkmale beobachten konnte, aber kein 'Post-Folter-Syndrom'.

 

Ausblick

 

Psychosoziale Arbeit, unabhängig ob mit Flüchtlingen hier in Deutschland oder im Rahmen von Hilfsangeboten in den betroffenen Ländern, sollte auf der Grundhaltung eines konzeptionellen Verständnisses der gesellschaftlichen Bedingungen von Traumatisierung basieren. Ignacio Martin-Baró (1990) verweist dabei auf den »dialektischen Charakter, der von dem Erleben des lang anhaltenden Krieges aufgerissenen Wunde«. Der jesuitische Sozialwissenschaftler wurde 1989 in El Salvador von den Sicherheitskräften ermordet. Sein Verdienst war es, aufzuzeigen, wie sich aus Kriegssituationen resultierende Traumatisierungen chronifizieren, wenn sich die gesellschaftliche Situation, wie z.B. die Militarisierung des Alltags und die Polarisierung der Menschen, nicht verändert. Umgekehrt können auch gesellschaftliche oder politische Ereignisse verdrängte traumatische Erfahrungen reaktivieren. So hat die ignorante Haltung der südafrikanischen Regierung gegenüber den Entschädigungsansprüchen der Apartheidopfer viele Südafrikaner, die vor der Wahrheitskommission Zeugnis über ihre Erfahrungen ablegten, in Verbitterung und Depression verstummen lassen. Die Verhaftung des chilenischen Diktators Pinochet und die Aufhebung seiner Immunität hat wiederum viele Menschen dazu veranlasst, Kontakt zu Beratungs- und Behandlungszentren in Chile aufzunehmen und über Geschehnisse zu sprechen, über die sie bislang nie gesprochen hatten (vgl. auch Merk, U. 2001).

 

Vor allem David Becker (1997) hat immer wieder darauf hingewiesen, dass im Zentrum jeder psychosozialen Arbeit die Anerkennung und die Entprivatisierung des Leids stehen muss. Denn nur diese Anerkennung ermöglicht es dem Menschen, die notwendigen Trauerprozesse zuzulassen und sich aus der von den repressiven Regimen beabsichtigten Vereinzelung zu lösen. Psychosoziale Traumatisierung beinhaltet Verletzungen, denen allein nicht nur auf der Ebene der Psychotherapie begegnet werden kann. Es muss in den Unterstützungsangeboten immer auch um eine Einflussnahme auf die Ursachen der Verletzungen gehen; denn finden dabei politische Bedingungen keine Berücksichtigung, so ist das Risiko groß, dass jede psychotherapeutische Arbeit ohne Wirkung bleibt.

 

Dipl.-Psych. Dr. Ulrike Heckl

 

Aus: Report Psychologie 1/2003

 

Diesen Text finden Sie auch im Internet unter der Adresse

www.BDP-Verband.org/bdp/idp/2003-1/11.shtml

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