Soziale Kontakte

Veröffentlicht auf von Chili

Die sog. Kontakt  Hypothese geht davon aus, dass Kontakte zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen zu mehr gegenseitiger Akzeptanz führen, weil Kontakte Informationsmängel beseitigen und auf diese Weise Stereotype und Vorurteile korrigieren. Ganz so einfach, wie angenommen, ist es allerdings nicht: Kontakt allein reicht nicht aus und es kommt auch nicht auf die Zahl der Kontakte an.

Viele Beispiele belegen, dass sich in Situationen, die durch Konkurrenz, wechselseitige Abgrenzung
oder bereits bestehende Spannungen gekennzeichnet waren, Vorurteile noch verstärkten. Wichtig ist vielmehr die Qualität sozialer Kontakte. So formulierte bereits Gordon W. Allport:

"Vorurteile (… ) können verringert werden, wenn sich bei gleichem Status zwischen
Mitgliedern von Mehrheit und Minderheit Kontakte bei der Verfolgung eines gemeinsamen  Zieles entwickeln. Die positive Wirkung ist sehr viel größer, wenn der Kontakt durch öffentliche Einrichtungen unterstützt wird (… ). Weiterhin müssen diese Kontakte von einer Art sein, die bei den Mitgliedern der beiden Gruppen die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen und gemeinsamer Menschlichkeit herbeiführt." (Allport 1971, S. 285f)

In Anlehnung an Allport werden in der Fachliteratur folgende Bedingungen für erfolgreiche soziale
Kontakte genannt:

 

1. Gleicher oder ähnlicher Status

Um Kontakte zwischen Mehrheiten und Minderheiten "auf gleicher Augenhöhe" und ein Miteinander zu ermöglichen, sollten große Statusunterschiede z. B. hinsichtlich der formalen Bildung oder der sozialen Lage vermieden werden.

2. Engere bzw. intensivere Kontakte

Da es bei oberflächlichen oder nur gelegentlichen Kontakten allenfalls zu kurzfristigen positiven Effekten im konkreten Kontext, aber nicht zu einer Generalisierung der Erfahrung kommt, sollten Kontakte möglichst dauerhafter angelegt sein und im Idealfall persönliche Freundschaften ermöglichen.

3. Gemeinsame Interessen und kooperative Ziele

Kontakte sollten nicht unter Konkurrenz- bzw. Wettbewerbsbedingungen stattfinden. Sie sollten vielmehr eine kooperative Zusammenarbeit bei der Verfolgung gemeinsamer Ziele ermöglichen.

4. Freiwilligkeit

Die Teilnahme an Kontakten sollte freiwillig sein, um eine grundsätzliche Bereitschaft zum Miteinander herzustellen und Abwehrreaktionen zu vermeiden.

5. Ein positives öffentliches Klima

Ein positives Bekenntnis zur Multikulturalität bzw. zur Vielfalt der von Lebensweisen und Lebensstilen in Politik, Medien und Wirtschaft gilt angesichts der Bedeutung des sozialen Kontextes und sozialer Normen als förderlich.

Veröffentlicht in Soziales und Wissenswertes

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