Sábado con niños - Ein Samstag mit Kindern

Veröffentlicht auf von Chili

Eine Veranstaltung des Projektes: Via Lactea (Milchstraße)

 

Ein Samstag im Sommer und es stand ein Ausflug mit mehr als 40 Kindern aus Las Viñitas in den Park "Quinta Normal“ auf dem Programm. Die Kinder waren alle zwischen 8 und 14 Jahren. Dazu kamen noch jugendliche Betreuer und einige Erwachsene.

 

(Ich spreche hier vom Alter der Kinder und Jugendlichen wie wir sie in Deutschland kennen. In Chile sind alle Menschen zwischen Geburt und 18 Jahren niños (Kinder), so sagt es das Gesetz. Was in diesem Zusammenhang noch interessant ist, dass kleine Kinder, von ihren Eltern, oft nur mit hijo (Sohn) oder hija (Tochter) angesprochen werden. ¡Hija ven! Tochter komm her!

Hört sich für mich nach wie vor unpersönlich an, aber so ist das eben in einem anderen Land.)

 

Die anderen Betreuer, Philip und ich, wir haben am Abend vorher schon Lunch-Tüten vorbereitet. Und dieses Wort darf man ruhig wörtlich nehmen. Es waren tatsächlich Tüten. Für jedes Kind eine Tüte mit einem Apfel, einem Wurstbrot, einer Süßigkeit einem Fläschchen mit bebida (Limonade) und einem Fruchtjoghurt. Und da die Kinder ihre Tüte erst im Park bekommen sollten haben wir alles in große schwarze „Müllsäcke“ gepackt. „Hmmm“  hab ich mir nur gedacht – und gehofft, dass das mal gut geht. Ging es natürlich nicht. Zum einen waren die Säcke, obwohl wir mehrere hatten, immer noch recht schwer und zum anderen noch unhandlich.

Wie auch immer, wir die Betreuer, alle mit schwarzen Säcken beladen und eine Menge Kinder, stiegen also in den öffentlichen Bus (weil am billigsten, Kinder müssen nichts bezahlen) und fuhren in den mehr im Zentrum liegenden Park von Santiago.

 

Der Park beherbergt einige Museen, einen See, mit der Möglichkeit zum Boot fahren, viel Grün zum toben und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Es gibt viele Verkäufer und Dienstleistungen welche die unterschiedlichsten Dinge anbieten von Eis und Zuckerwatte über Kunsthandwerk und Schmuck bis zu Männern mit Lamas oder Alpakas mit denen man sich fotografieren lassen kann.

 

Schon im Bus ging die Diskussion unter den Kindern los, wer wem gehört. „Das ist meiner!“, „Nein meiner!“, „Nein die gehören beide mir!“. Wer? – Wir! Philip und ich. Wir waren an diesem Tag die Attraktion. „Tío, Tío!“ („Onkel, Onkel!“), so ging es den ganzen Tag. Auf dem Weg in den Park mehr verbal, da wir ja mit schwarzen Säcken beladen waren. Im Park dann und auf dem Heimweg, dann auch mit mehr Körperkontakt. Alle wollten immer von uns an der Hand geführt werden oder hingen förmlich an uns dran. Manchmal zwei bis drei auf einmal. Und ab und zu gab es Streit bis die Machtverhältnisse am Ende des Tages geklärt waren und jeder seinen Tío hatte. Manchmal war mir nicht ganz klar wie ich mit so viel Nähe umgehen sollte. So viele liebesbedürftige Kinder. Und ich mittendrin. Nicht ganz einfach wenn man solche Situationen nicht gewohnt ist und kennt und normal eher ein Mensch der Distanz ist. Letztendlich waren es für alle aber sehr angenehme Gefühle. Die Kinder waren einen Tag mehr glücklich (ich auch). Und ich hab wieder was gelernt. Beispielsweise dass vielen Kindern hier der Vater fehlt. (Es gibt hier wirklich viele allein erziehende Mütter. Da ich aber keine Zahlen kenne kann ich nicht sagen ob es mehr sind als in Deutschland. Aber es ist zu vermuten.)

 

Den Tag im Park haben wir dann ohne besondere Vorkommnisse mit verschiedenen Spielen verbracht. Zum Einstieg musste ich gleich mal mit den Jungs Fußball spielen. Was nicht das beste Spiel für mich war, da der Tag heißer war als ich dachte und ich in dem schwarzen Pulli, den ich an hatte, ziemlich schnell ins Schwitzen kam.

Das gute an der Sache, aus solchen Erfahrungen lernt man sehr schnell…

Weitere Spiele waren Seilhüpfen, in ganz unterschiedlichen Varianten, Tauziehen, menschliches Schubkarrenrennen, Kinderaufdemrückenherumtragen, und anderes.

Natürlich wurden wir auch ausgiebig befragt. „Wo kommst Du her?“, „Wo ist England?“,   „Kommt ihr nicht aus dem gleichen Land?“, „Was machst Du hier?“ und was für Kinder auch immer recht interessant zu sein scheint: „Hast Du eine Freundin?“, Liebst Du …(eine der Anwesenden)?“ „hihihi!“. Toll. Ist schon sehr nett wie sie alles wissen wollen und auch wie sich die verschiedenen Persönlichkeiten der Kinder gezeigt haben. Es gab immer welche die sehr forsch und ohne Hemmung alles gefragt haben. Dann gab es die Verteidiger, diejenigen die mich verteidigt haben wenn es zu heftig war oder wenn Witze über mich gemacht wurden und ich offensichtlich nicht verstand worum es ging. (Als der Ausflug war hab ich noch recht wenig verstanden.) Oder es gab die frechen und forschen, die gleich die intimsten Details wissen wollten oder die die einfach nur mit großen Augen dasaßen und gespannt zuhörten. Auch ist die Sprache der Kinder eine andere wie die der Erwachsenen. Meist viel weicher und höher. Und was das Verstehen noch erschwert hat war, dass oft einfach viele Kinder gleichzeitig alles wissen oder sagen wollten. Und dann gab es beispielsweise noch Kinder die einfach nur immer, ohne viel zu reden, in unserer Nähe sein wollten. Und dann gab es noch ein paar die die kein Interesse an uns hatten, da sie einfach mit sich und ihren Abenteuern beschäftig waren. Auch die gab es.

 

Zum Mittagessen gab es dann die Essenstüten. Die Tüten mit den Joghurts, die den Transport nicht überlebt haben, hatten wir vorher schon herausgesucht, so dass die Sauerei nicht gar so schlimm wurde.

 

Irgendwann am Nachmittag mussten wir dann wieder alle Kinder einsammeln und wir fuhren mit dem Bus zurück nach Las Viñitas. Auch hier auf dem Weg zum Bus, im Bus, und vom Bus zurück ins Stadtviertel hingen immer „unsere Besitzer“ an uns dran. Im Bus nahmen sie zum Teil unsere Hände und wollten sie einfach nur die ganze Zeit fest drücken. (In dem Beruf sollte man nicht Pädophil sein oder seine Pädophilie stark unter Kontrolle halten können. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte darf mich gern fragen.)

 

Zurück im Stadtviertel war jetzt die Bibliothek geöffnet. Die meisten Kinder gingen heim oder zwischen den Häusern spielen. Der harte Kern der am meisten an uns interessiert war blieb in der Bibliothek und wir tauschten weiterhin Wissen aus. Mündlich und in Form verschiedenster kleinerer Spielchen. Zum Beispiel Sing und Klatschspiele, wie in den Fotos zu sehen ist.

 

Irgendwann war es dann auch für Philip und mich zeit zu gehen. Es war ein anstrengender aber auch wunderschöner Tag mit den Kindern von Las Viñitas.

 

Respekt für alle die diese Arbeit jeden Tag machen!


(PS. Siehe Fotos)

Veröffentlicht in Praktikum in Chile

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