Heute im Praktikum

Veröffentlicht auf von Chili

24.09.2008      Michael in Chile

 

 

Heute war ich den ganzen Tag sehr müde. Schaffe es einfach nicht vor 2 Uhr ins Bett zu kommen. Meine Tage hier sind echt voll. Um 8 Uhr hat heute der Wecker geklingelt und dann musst ich nach kurzem Frühstück, Tee und Käsebrot, noch schnell meine Hausaufgaben für den Spanischunterricht machen. Wir bekommen jeden Tag welche auf. Um 9 sollte ich normalerweise aus dem Haus sein, was heute allerdings nicht ganz geklappt hat. 8 min nach 9 Uhr konnte ich dann endlich los.

 

Da es schon so spät war lief ich zur Metrostation Santa Ana und  fuhr mit der L5 Richtung Vincente Valdés bis zur Station Baquedano. Von dort führt mein Weg weiter über die Pio Nono Bridge ins Barrio Bellavista. Die Straße Pio Nono kann man jetzt fast bis zum Cerro (Berg) San Cristobal entlanglaufen was nicht ganz 10 min dauert. Die Straße Pio Nono ist zwar ganz neu aber nicht wirklich angenehm zu laufen (ist sehr subjektiv) deshalb lief ich dann heute die Parallelstraße Constitutión rechts davon. Fast am Ende der Straße befindet sich  meine Sprachschule „Tandem“.

 

Der Unterricht ging von 9.30 Uhr bis 11 Uhr dann war eine halbe Stunde Pause, in der ich meine zwei restlichen Käsebrote verschlang. Tee und Kaffee gibt es soviel man will gratis.

 

Echt ein guter Service!

 

Dann war noch mal Unterricht von 11 Uhr 30 bis 13 Uhr. Und von eins bis zwei saß ich dann an meinem Klapprechner und habe noch angefangen die Bilder zu bearbeiteten die wir für die Ausstellung am Samstag in Las Viñitas dringend brauchen. Um 2 Uhr musste ich mich dann langsam auf den Weg machen. Wieder zurück auf der Constitutión über die Pio Nono Brücke und rein in die Metro, in der Baquedano Station. Von dort den bekannten Weg bis zur vorletzten Station (Neptuno) und weiter mit dem Bus nach Las Viñitas.

 

Dort angekommen ging es dann gleich weiter mit dem Aussuchen und Bearbeiten der Bilder. Auch wenn sich das nicht so sehr nach Sozialer Arbeit anhört ist es doch wichtig. Am Samstag findet in Las Viñitas ein wichtiges großes Kulturelles Fest statt. Dazu nach dem Fest mehr. (Wer will ist übrigens herzlich eingeladen) Und im Rahmen dieses Festes soll auch eine Ausstellung mit Bildern aller vergangenen kulturellen Aktivitäten im Stadtviertel stattfinden. Es ging also darum über tausend Bilder zu sichten und auszuwählen. In der Vergangenheit waren sie hier auch ohne Fotografen schon mächtig am Fotografieren. Unglaublich. Leider lässt die technische Qualität doch oft zu wünschen übrig. Was sicher auch mit daran liegt, dass es auch häufig Aktivitäten bei ungünstigen Lichtverhältnissen gab. Gut, dass ich ein gutes Bildbearbeitungsprogramm dabei habe. Kriterien für die Auswahl der Bilder waren einerseits die Veranstaltungen. Es sollte, wenn möglich, alles mit wenigstens einem Bild vertreten sein. Und andererseits sollten die Bilder zeigen wie die Menschen hier zusammenarbeiten. Wie sie zusammenhalten und zusammen Spaß haben können und glücklich sein können. Die Bilder sollten zeigen dass es eine Gemeinschaft im Viertel gibt und Gemeinsamkeiten. Außerdem sollen die Bilder ein wenig die Probleme verdecken und an schöne oder lustige Augenblicke erinnern. Es gibt also keine sozialkritische Ausstellung sondern eher eine nette. Probleme gibt es genug, diese sollen den Menschen am Samstag nicht auch noch in Bilderform gezeigt werden.

Gegen Abend waren dann alle Bilder ausgesucht, bearbeitet und in das richtige Format gebracht.

 

Reunión

Versammlung war angesagt. Aus der Stadt waren wieder Ignacio und Miguel da, beide arbeiten für das Projekt „Quiero mi Barrio“ (Ich liebe mein Stadtviertel) der Regierung. Heute war eine Versammlung auf dem Hauptplatz von „Las Viñitas uno“ (LV1). Wir  haben alles vorbereitet. Lautsprecher, Funkmikrofon, Metaplan-Tafel und einige Plastikhocker für die älteren Bewohner oder schwangere Frauen. Der Termin der Versammlung war bekannt und nach einigen Aufrufen kamen langsam die Bewohner der umliegenden Blocks zusammen.

 

Heute war Ignacio der Hauptredner, gestern Miguel. Leider versteh ich immer noch recht wenig bei dem Tempo aber es ging auf jeden Fall wieder darum die Menschen über den neuesten Stand des Projektes aufzuklären und Fragen zu beantworten. Es kam heute zu hitzigen Diskussionen. Ein Bewohner hat seine Frage so geschickt zu einem Vortrag ausgeweitet, dass er Ignacio für einige Minuten die Veranstaltung aus der Hand genommen hat. Sein Vortrag endete mit Beifall und fand, wie es aussah allgemeine Zustimmung, was man vom Rest der Veranstaltung nicht sagen kann. Was immer er sagte, es sah so aus als spräche er den Einwohnern aus der Seele. Die Versammlung ging wieder recht lang und nachdem irgendwann alle offenen Fragen beantwortet waren (natürlich waren sie es noch nicht, wie man an den Fragen nach dem offiziellen Teil gemerkt hat), packten wir zusammen und brachten alles zurück in unsere Büroräume. Feierabend.

 

Da um diese Zeit die Busse manchmal etwas auf sich warten lassen und die anderen nicht auf unseren normalen Bus warten wollten, nahmen wir heute eine andere Linie, was, wie sich herausstellte, für mich ganz praktisch war, denn der Bus brachte mich direkt zur Metrostation Santa Ana. Von dort sind es noch 5 min zu Fuß zu meinem Haus. War heute also, nach kurzem Einkaufen, glücklicherweise früher daheim als sonst. Was nicht unbedingt praktisch war, denn ich hatte Hunger und der Herd war um diese Zeit leider besetzt. Dies wiederum  hatte jetzt aber den Vorteil, dass ich noch diesen Text schreiben konnte. Auch nicht schlecht. Und jetzt auf zum Essen! Dann noch schnell Hausaufgaben machen und Mails beantworten.

 

 

¡que aproveche!

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